
AKT
3
EINBLENDE:
15.
INNEN. VERSAMMLUNGSSAAL DES DORFES - NACHT (FORTSETZUNG)
Xena und Gabrielle ziehen ihre Waffen, als man von draußen plötzlich
einen Wirbel von Geräuschen hört. Die Dorfbewohner beginnen in Panik
auszubrechen und die Wachen haben einen sehr entschlossenen Ausdruck in
ihren Augen, als sie sich ihren zwei Gefangenen nähern.
 
GABRIELLE
Lassen wir ihnen immer noch ihren Spaß?
XENA
Nein. Mein Sinn für Humor hat gerade wieder seinen Geist
aufgegeben.
(lauter)
Bleibt wo ihr seid!
GABRIELLE
Wartet einen Moment. Wir werden nicht einfach stehen bleiben und euch
uns töten lassen.
Die Männer halten inne und hören zu.
XENA
Sie hat recht. Jemand könnte verletzt werden und das werden
nicht wir sein, wenn ihr versteht, was ich meine.
Für einen Augenblick lässt der Anblick ihrer glänzenden Waffen und
entschlossenen Gesichter die Männer zögern. Dann erklingt draußen ein
tiefes, donnerndes Dröhnen und sie drängen vorwärts und greifen Xena und
Gabrielle verzweifelt an, während sie erneut Schreie
ausstoßen.

ANFÜHRER
Ergreift sie! Schnell!
Xena schlägt die Spitzen der Speere von drei der Männer, die auf sie zu
kommen, ab. Sie sehen die Stümpfe an, dann fangen sie an mit ihnen auf
Xena einzuschlagen.
XENA
Langsame Lerner.
Xena wirbelt ihr Schwert in einer Achter-Figur, wobei sie die Speere
jedes Mal einen Fuß kürzt. Holzstücke fliegen überallhin.
XENA
(weiter)
(zu Gabrielle)
Wir brauchen ein Ablenkungsmanöver!
Gabrielle fängt zwei von den Waffen der Wachen mit ihren Sais. Sie
verdreht ihre Handgelenke geschickt und die Speere der Wachen werden
ihnen aus den Händen gerissen. Ein Speer trifft beinahe den Anführer.
Der andere prallt vom Boden ab, dann trifft er eine Fackel. Die Fackel
fällt um und setzt die strohgedeckte Wand in Brand. Das Feuer verbreitet
sich schnell über die Wand und hinauf in das Dach.
GABRIELLE
Wie findest du
das!
Xena duckt sich schnell als ein brennendes Holzstück fast auf sie
fällt.
XENA
Nicht was ich mir vorgestellt hatte, aber ich werde damit
arbeiten.
 
ANFÜHRER
Lauft! Wir werden alle getötet werden!
Der Saal ist ein Hexenkessel. Jeder rennt zur Tür, schiebend und
drängelnd um heraus zu kommen. Das Feuer verschlingt jetzt das ganze
Dach, legt eine Flammenspur über ihren Köpfen und lässt brennendes Stroh
über sie alle fallen.
Xena und Gabrielle beobachten, wie die Menschenmenge die Tür verstopft.
Xena dreht sich um und stößt ihr Schwert in die Wand um ein Loch hinein
zu schneiden, das groß genug ist um hindurch zu laufen. Xena springt
durch das Loch. Gabrielle folgt ihr, dreht sich aber im letzten Moment
um, um zu sehen wie der Anführer von einem herunterfallenden Dachstück
begraben wird.
GABRIELLE
Xena!
Gabrielle kehrt zurück in den Raum und greift den Arm des Anführers um
ihn unter dem brennenden Holz herauszuziehen. Das Dach bricht nun
überall um sie herum zusammen und sie bedeckt ihr Gesicht mit ihrem Arm,
während sie sich auf die Tür zu kämpft.
SCHNITT ZU:
16.
AUSSEN. VERSAMMLUNGSSAAL DES DORFES - NACHT
Die Geräusche von den Bergen klingen jetzt ununterbrochen. Die
Dorfbewohner rennen aus dem Versammlungssaal, hustend und würgend, nur
um damit konfrontiert zu werden, dass der Boden unter ihren Füßen
vibriert.
Xena dreht sich um und entdeckt, dass Gabrielle ihr nicht gefolgt ist.
Sie springt zu der Öffnung in der Mauer und stürzt zurück in das
Feuer hinein.
SCHNITT ZU:
17.
INNEN. VERSAMMLUNGSSAAL DES DORFES - NACHT
Gabrielle kann kaum sehen, was vor ihr liegt. Sie ertastet sich ihren
Weg auf die Öffnung in der Wand zu und ihre Hand trifft plötzlich auf
etwas, das sich nicht wie Holz oder Stroh anfühlt. Sie klammert sich
daran.
XENA
Au!
Gabrielle hat Xenas Nase gepackt.
GABRIELLE
Ich dachte, das fühlt sich nach dir an.
Xena greift nach Gabrielle und zieht sie aus dem Loch in der Wand
heraus.
SCHNITT ZU:
18.
AUSSEN. VERSAMMLUNGSSAAL DES DORFES - NACHT
Die Dorfbewohner weinen. Xena und Gabrielle schleppen den Anführer
hinüber zu dem Pferdetrog und setzen ihn darauf ab. Felsen stürzen aus
der Öffnung im Berg die Straße hinunter. Eine Frau steht einfach in der
Nähe und kreischt. Xena schüttelt sie.
XENA
Hey!
Die Frau fährt fort zu schreien. Gabrielle geht zu ihr und packt sie an
den Schultern.
GABRIELLE
Warum schreist du? Du hast es geschafft, hörst du!
Die Frau hört auf.
FRAU
Aus dem Feuer heraus in Schlimmeres! Toola wird uns töten! Er wird
die Ernte verbrennen, das Dorf überfluten... den Berg
herunterschicken auf uns!
GABRIELLE
Ist es das, was er schon einmal getan hat?
ANFÜHRER
Ja. Er ist ein anspruchsvoller Gott. Wir müssen schnell etwas
tun.
Der Anführer steht auf.
ANFÜHRER
(weiter)
Wache
Xena zieht ihr Schwert.
XENA
Du wirst das nicht schon wieder versuchen, oder?

Die Wache stolpert herüber. Der Rest der Dorfbewohner schart sich
besorgt herum, deutlich verängstigt.
GABRIELLE
Hört zu, wir können einen Weg finden um das zu beenden.
ANFÜHRER
Ja. Ich kenne einen Weg.
Der Anführer hebt seine Hände.
ANFÜHRER
(weiter)
Meine Freunde, unser Gott ist wütend.
Der Boden zittert.
ANFÜHRER
(weiter)
Wir haben ihm nicht gegeben, was er fordert. Wir können diese
Fremden nicht besiegen.
Ein leises, klagendes Geräusch schwillt an und überdeckt die Stimme des
Anführers. Es klingt wie sehr große Fingernägel auf einer noch größeren
Stück Schiefer. Jeder bedeckt seine Ohren, besonders Xena, die reale
Qualen wegen dem Geräusch fühlt.
XENA
Argh!
ANFÜHRER
(schreit gellend)
Nur Eines wird ihn besänftigen! Wir müssen ihm unseren Tribut
anbieten.
FRAU
Aber wir haben niemanden, den wir schicken können!
Das Geräusch sinkt zu einem Stöhnen herab. Jeder deckt seine Ohren
auf.
XENA
(schneidet eine Grimasse)
Etwas mehr davon und euer Gott wird mehr als nur Tribut
bekommen.
ANFÜHRER
Ich werde gehen. Ich werde den Tribut nehmen und mich selbst den
Wassern übergeben. Schnell, nehmt mich!

Die Menge schreit vor Erleichterung auf. Sie umringen den Anführer und
jubeln ihm zu, klopfen ihm auf den Rücken und danken ihm. Die Wache
umringt den Anführer, hebt ihn auf ihre Schultern und trägt ihn davon.
Die Dorfbewohner folgen singend, sehr glücklich und erleichtert. Xena
und Gabrielle werden zurückgelassen, vollständig vergessen. Sie sehen
sich fassungslos an.
GABRIELLE
Xena, das ist verrückt. Welche Sorte Gott lässt seine Anhänger ihm
sinnlos Fremde opfern?
XENA
(grimmig)
Ich weiß es nicht. Lass uns sehen, ob wir es herausfinden
können.
Xena und Gabrielle folgen der Menge.
BLENDE ZU:
19.
INNEN. HAUS DES ANFÜHRERS - NACHT
Der Anführer steht in der Mitte des Raumes. Die anderen Dorfbewohner
umringen die Wachen und verstopfen so den kleinen Raum. Die Wachen
wickeln den Anführer in Leinenstreifen. In der Nähe wird die Kiste, die
der Gefangene früher an diesem Tag getragen hat, von einem der
Dorfbewohner poliert. Jeder ist glücklich und aufgeregt, mit Ausnahme
einer kleinen, dunkelhaarigen Frau, die EHEFRAU DES
ANFÜHRERS.
EHEFRAU
Tu das nicht! Bitte!

ANFÜHRER
(sanft)
Ich muss. Die Sicherheit von uns allen hängt von mir ab.
Xena und Gabrielle treten ein und beobachten schweigend.
EHEFRAU
Und was ist mit uns? Zählt deine Familie nicht?
Die Dorfbewohner ziehen die Frau weg und schieben sie auf den hinteren
Teil des Raumes zu.
MANN
Geh aus dem Weg. Wir müssen uns beeilen, bevor Toola die
Wasser auf uns nieder schickt. Kommt schon!
Die Wachen umgeben den Anführer und einer von ihnen gibt ihm die Kiste
in die Hand. Ein anderer malt hastig die Zeichen des Gottes auf die
Leinenstreifen. Sie beginnen den Anführer aus der Tür hinaus zu
drängen.
EHEFRAU
Warte! Brandon!
Der Anführer schaut zurück und ihre Augen treffen sich.
ANFÜHRER
Erzähl es den Kindern, wenn sie älter sind.
Die Dorfbewohner drängeln sich an der Ehefrau vorbei und gehen
nacheinander zur Tür hinaus um der Wache zu folgen. Sie sind erleichtert
und auch ein bisschen verlegen wegen dem offensichtlichen Kummer der
Ehefrau.
GABRIELLE
Xena, wir müssen das beenden.

XENA
Und es mit dem ganzen Dorf aufnehmen? Was dann? Du hast gesehen,
was draußen los war, Gabrielle. Dieser verdammte Gott meint es
ernst.

GABRIELLE
Also lassen wir ihn einfach sterben?
XENA
Sein Gott, seine Entscheidung.
Gabrielle wirft Xena einen erst schockierten, dann düsteren Blick
zu.
Die Ehefrau bemerkt sie. Sie wird wütend, packt einen Besen und schwingt
ihn gegen sie.
EHEFRAU
Ihr! Das ist alles eure Schuld! Warum musstet ihr euch
einmischen?
GABRIELLE
Wir haben gesehen, wie jemand angegriffen wurde. Wir dachten wir
würden helfen.
EHEFRAU
Helfen? Jetzt rennt mein närrischer Ehemann dafür in seinen Tod.
Vielen Dank!
Gabrielle sieht die Frau an, ihren Zorn besser verstehend, als die Frau
weiß. Xena läuft zu ihr herüber, die Bedrohung mit dem Besen
ignorierend.
XENA
Dein Ehemann tut, was er für richtig hält. Wenn dieser Gott so
gefährlich ist, wie ihr alle behauptet.

EHEFRAU
(gedämpft)
Toola ist ein schrecklicher Gott.
XENA
Dann ist dein Mann für den Rest von ihnen ein Held, nicht
wahr?
EHEFRAU
Held?
(lacht bitter)
Wenn er ein Held wäre, würde er sich um seine Familie kümmern. Nur
Narren sind so begeistert zu sterben. Sterben ist einfach. Es bleibt
den Lebenden überlassen das Elend zu ertragen.
Die Ehefrau wirft ihren Besen in die Ecke und stürmt durch eine Innentür
in einen zweiten Raum. Sie schlägt die hölzerne, strohgedeckte Tür
hinter sich zu, sodass Stücke davon zu Boden sinken.
Xena schüttelt ihren Kopf und läuft dahin, wo Gabrielle steht. Gabrielle
reagiert nicht. Ihr Gesicht ist verhärtet und sehr ruhig.
XENA
Wenn ihr Gott so gefährlich ist, würde man meinen, sie versteht die
Entscheidung, die er getroffen hat um sie alle zu
schützen.

Gabrielle sieht Xena sehr fest an.
GABRIELLE
Ja. Aber weißt du was? Die Verliererseite dieser Entscheidung ist
ein wirklich scheußlicher Ort.

Gabrielle dreht sich um und läuft zu der Innentür, öffnet sie und geht
hindurch, ohne Xena noch einmal anzusehen.
XENA
Gab...
(Pause)
Verdammt.
Xena ist allein in dem Raum
zurück geblieben. Gabrielles Zorn hat sie überrascht und sie bleibt
unbeweglich, während sie heftig darüber nachdenkt, was Gabrielle gesagt
hat und warum sie es gesagt haben könnte.
SCHNITT ZU:
20.
AUSSEN. DORFSTRASSE - NACHT
Die Dorfbewohner umringen die Wache, die den Anführer umgibt. Sie
marschieren hinauf auf den Berg zu. Als sie näher kommen, nehmen die
Geräusche und die Steine langsam ab. Die Dorfbewohner beginnen vor
Erleichterung und Freude zu singen.
SCHNITT ZU:
21.
INNEN. HAUS DES ANFÜHRERS - NACHT
Die Frau des Anführers steht am Fenster und beobachtet wie die Fackeln
auf den Berg zu verschwinden. Neben ihr stehen zwei Kinder, ein Junge
und ein Mädchen. Die Kinder hängen offensichtlich verängstigt und sehr
verwirrt an ihrer Mutter.
Xena tritt ein und sieht sich nach Gabrielle um, dann hält sie inne, als
sie die Familie am Fenster ausmacht.
JUNGE
Mama, wo ist Vati?
EHEFRAU
(unter Tränen)
Er wird mit Toola sprechen, Liebling.
MÄDCHEN
Warum? Will Toola ihm etwas sagen? Wird er es uns erzählen, wenn
er zurückkommt?
Xena beobachtet und lauscht aus den Schatten. Sie schließt ihre Augen,
als sie Fetzen ihrer eigenen Erinnerung sieht - von dem Leid, das sie
gefühlt hatte, nachdem Gabrielle mit Hoffnung in die Lavagrube gefallen
war.
EHEFRAU
Er... wird nicht lange weg sein. Aber vielleicht wird er uns
erzählen, was Toola gesagt hat, wenn wir ihn wieder sehen.
JUNGE
Vati kommt heute nacht nicht heim? Kann ich in seinem Bett
schlafen?
Die Ehefrau kann ihre Fassung kaum bewahren. Sie legt die zwei Kinder in
das große Bett und steckt die Decke fest.
EHEFRAU
So ist es. Ihr geht schlafen und träumt schöne Träume.
Die Ehefrau dreht sich um und sieht Xena da stehen. Sie beide lauschen,
während der laute Krach und das Beben nachlassen und dann
aufhören.
EHEFRAU
(weiter)
Du musst denken, ich bin egoistisch, nicht wahr?
Xena ist erschüttert.
XENA
Nein.
(Pause)
Nur jemand, der liebt.

Die Ehefrau schaut
ratlos.
XENA
(weiter)
Meine Freundin, wo ist sie hingegangen?
EHEFRAU
Sie sagte, sie würde einen langen Spaziergang machen um
nachzudenken.
Die Geräusche draußen haben aufgehört. Jetzt hört man nur Hochrufe der
glücklichen Dorfbewohner. Die Rufe kommen näher und näher. Dann springt
die Tür auf und Männer und Frauen strömen herein, erleichtert und
glücklich, dass die Gefahr vorüber ist.
Die Männer teilen sich und plötzlich tritt der Anführer vor. Er ist mit
Leinenfetzen bedeckt und die KISTE ist weg. Er erblickt Xena.
EHEFRAU
(weiter)
(sehr
überrascht)
Brandon!
Xenas Gesicht zeigt, dass sie erkennt, was als nächstes kommt. Sie ist
bereits in Bewegung als der Anführer spricht.

ANFÜHRER
Wir waren auf dem Berg, da bestand deine Freundin darauf meinen
Platz einzunehmen! Wie wundervoll! Wie mutig! Sie wollte Toola so
gern treffen!
Xena drängelt sich durch die Menge und schießt aus der Tür, wobei sie
überall Menschen auseinander treibt, ohne sich noch einmal
umzusehen.
ABBLENDE:
ENDE DES DRITTEN AKTES
AKT
4
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